Definition
Emotionalität
Dieser Begriff beschreibt das Gefühlsleben sowie die Eigenschaften der Persönlichkeit von
Menschen. Dabei wird auch die Art und Weise beschrieben, wie Emotionen in bestimmten
Situationen erlebt werden und wie die Person damit umgeht. Die Beschreibung von Emotionalität
beinhaltet zudem Parameter wie Intensität, Häufigkeit und Dynamik. Emotionen können schwach
oder stark sein und stehen in Zusammenhang mit der Sensibilität der betreffenden Person.
Professionalität
Hier wird der Fokus auf die Ausübung einer Tätigkeit auf hohem fachlichem und ethischem Niveau
gelegt. Das Wort „Professionalität” beinhaltet außerdem die Übernahme von Verantwortung,
Zuverlässigkeit und einen respektvollen Umgang mit anderen. Eine professionell agierende Person
verfügt neben der fachlichen Kompetenz auch über persönliche Eigenschaften wie Selbstkontrolle
und Organisationsfähigkeit sowie ein hohes Maß an Selbstreflexion, um hohe Standards in
Verhalten, Kommunikation und Wirkung zu erreichen.
Warum/Wofür
Wenn wir Emotionen gezielt einsetzen, verfolgen wir in der Regel bestimmte Ziele. Wir wollen
beispielsweise Bindung und Nähe schaffen. Unsere Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen sollen sich
zugehörig fühlen.
Agieren wir professionell, liegt unser Fokus auf Kompetenz, Verantwortung, Erfahrung und dem
Kern unserer Tätigkeit, der Versorgung von Patienten.
Grundsätzliches
Wenn wir Sachverhalte, Prozesse oder Situationen emotional beurteilen, haben wir keine für alle
Personen gültigen, zuverlässigen Parameter, weil Emotionen eine zutiefst individuelle
Angelegenheit sind. Ich habe zumindest im beruflichen Umfeld noch nie Situationen erlebt, in
denen das Ausleben von Gefühlen hilfreich oder sinnvoll war. Ganz im Gegenteil. Oft springen
weitere Personen auf den „Gefühlszug“ auf und schaffen eine Situation, die schwer oder gar nicht
beherrschbar ist.
Wir agieren professionell, wenn wir in der Lage sind, Strukturen rational und pragmatisch zu betrachten. Wir erkennen eine Situation und beurteilen sie nicht emotional, sondern anhand der sachlichen und offensichtlichen Fakten. Wir verhalten uns allen Menschen gegenüber professionell, die uns während der Arbeitszeit begegnen: Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen, Praxisinhaber*innen, Patient*innen sowie externe Personen, die mit der Praxis in Kontakt treten, wie z. B. Techniker*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen von Krankenkassen.
In der Theorie ist es ganz einfach: Für die Leistung, die Sie am Arbeitsplatz erbringen, erhalten Sie
eine Gegenleistung in Form eines Gehalts. Diese Feststellung ist frei von jeglicher Emotion. Sie
stellen sich in den Dienst einer übergeordneten Sache: die Versorgung von Patienten.
Pragmatisches Denken und Handeln runden die Sache ab. Idealweise sind Ihre Aufgaben im
Voraus klar kommuniziert worden, sodass Sie von Beginn bis Ende der Arbeitszeit genau wissen,
was zu tun ist. Sie arbeiten mit Kolleg*innen zusammen, deren Aufgaben sich ineinander fügen,
sodass ein rundes Bild entsteht, das ein gemeinsames Ziel verfolgt.
Wenn der Faktor „Emotion“ ins Spiel kommt, wird aus dieser einfachen Rechnung eine
komplizierte und wir sprechen von „unberechenbaren Beziehungen und Situationen“.
Reflexion
Tipps
Theorie vs. Praxis
Ich konnte viele Erfahrungen sammeln: von unverbindlichen, fruchtbaren, klar umrissenen und
erfolgreichen Konstellationen im Team bis hin zu toxischen Beziehungen am Arbeitsplatz. In den
80ern sah der Arbeitsplatz ganz anders aus als heute. Empathie und Kommunikation sind heute
häufig genutzte Worte, die den Wunsch vermitteln, gesehen und aufgefangen zu werden. Der
Arbeitsplatz soll mehr sein. Deshalb sind Teammeetings und Praxisausflüge heute auch zu
Marketinginstrumenten bei der Personalsuche geworden. Außerdem wird mit Strukturen
geworben, die eine „Familie“ versprechen.
Fazit
Treffen Sie Entscheidungen, die aufzeigen, wie viel Emotionalität angemessen ist, um einen
gesunden Umgang damit zu finden. Empathie ist wichtig, sollte aber nicht den Alltag dominieren.
Es ist gesünder, Professionalität zu leben, weil der Umgang damit einfacher ist und die Parameter
für alle gelten und verstanden werden können. Versuche, aus einem Team eine Familie zu
machen, funktionieren nicht.
Zu guter Letzt
Das Umfeld in zahnärztlichen Praxen hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. Die
Strukturen sind komplexer geworden und Führung wird oft nicht konsequent gelebt. Dadurch
entsteht ein Raum, der mit unberechenbaren, dynamischen Komponenten gefüllt wird. Wenn Sie
Emotionen zu viel Raum geben, werden Sie diese Konstrukte langfristig nur schwer oder gar nicht
beherrschen können. Emotionen werden bewusst oder unbewusst auch als Druckmittel
eingesetzt.
Sehen Sie Ihre Mitarbeiter*innen als das, was sie sind: Eine wichtige Mannschaft, in der jeder eine Position und Aufgaben innehat, die am Ende dafür sorgen, dass die Praxis wirtschaftlich gut da steht.