Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.

(Charles Darwin)
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Professionalität vs. Emotionalität

Definition

Emotionalität
Dieser Begriff beschreibt das Gefühlsleben sowie die Eigenschaften der Persönlichkeit von Menschen. Dabei wird auch die Art und Weise beschrieben, wie Emotionen in bestimmten Situationen erlebt werden und wie die Person damit umgeht. Die Beschreibung von Emotionalität beinhaltet zudem Parameter wie Intensität, Häufigkeit und Dynamik. Emotionen können schwach oder stark sein und stehen in Zusammenhang mit der Sensibilität der betreffenden Person.

Professionalität
Hier wird der Fokus auf die Ausübung einer Tätigkeit auf hohem fachlichem und ethischem Niveau gelegt. Das Wort „Professionalität” beinhaltet außerdem die Übernahme von Verantwortung, Zuverlässigkeit und einen respektvollen Umgang mit anderen. Eine professionell agierende Person verfügt neben der fachlichen Kompetenz auch über persönliche Eigenschaften wie Selbstkontrolle und Organisationsfähigkeit sowie ein hohes Maß an Selbstreflexion, um hohe Standards in Verhalten, Kommunikation und Wirkung zu erreichen.

Warum/Wofür
Wenn wir Emotionen gezielt einsetzen, verfolgen wir in der Regel bestimmte Ziele. Wir wollen beispielsweise Bindung und Nähe schaffen. Unsere Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen sollen sich zugehörig fühlen.
Agieren wir professionell, liegt unser Fokus auf Kompetenz, Verantwortung, Erfahrung und dem Kern unserer Tätigkeit, der Versorgung von Patienten.

Grundsätzliches
Wenn wir Sachverhalte, Prozesse oder Situationen emotional beurteilen, haben wir keine für alle Personen gültigen, zuverlässigen Parameter, weil Emotionen eine zutiefst individuelle Angelegenheit sind. Ich habe zumindest im beruflichen Umfeld noch nie Situationen erlebt, in denen das Ausleben von Gefühlen hilfreich oder sinnvoll war. Ganz im Gegenteil. Oft springen weitere Personen auf den „Gefühlszug“ auf und schaffen eine Situation, die schwer oder gar nicht beherrschbar ist.

Wir agieren professionell, wenn wir in der Lage sind, Strukturen rational und pragmatisch zu betrachten. Wir erkennen eine Situation und beurteilen sie nicht emotional, sondern anhand der sachlichen und offensichtlichen Fakten. Wir verhalten uns allen Menschen gegenüber professionell, die uns während der Arbeitszeit begegnen: Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen, Praxisinhaber*innen, Patient*innen sowie externe Personen, die mit der Praxis in Kontakt treten, wie z. B. Techniker*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen von Krankenkassen.

In der Theorie ist es ganz einfach: Für die Leistung, die Sie am Arbeitsplatz erbringen, erhalten Sie eine Gegenleistung in Form eines Gehalts. Diese Feststellung ist frei von jeglicher Emotion. Sie stellen sich in den Dienst einer übergeordneten Sache: die Versorgung von Patienten.
Pragmatisches Denken und Handeln runden die Sache ab. Idealweise sind Ihre Aufgaben im Voraus klar kommuniziert worden, sodass Sie von Beginn bis Ende der Arbeitszeit genau wissen, was zu tun ist. Sie arbeiten mit Kolleg*innen zusammen, deren Aufgaben sich ineinander fügen, sodass ein rundes Bild entsteht, das ein gemeinsames Ziel verfolgt.
Wenn der Faktor „Emotion“ ins Spiel kommt, wird aus dieser einfachen Rechnung eine komplizierte und wir sprechen von „unberechenbaren Beziehungen und Situationen“.

Reflexion

  • Werden an Ihrem Arbeitsplatz Emotionen offen ausgelebt?
  • Können Sie privat und beruflich gut trennen?
  • Warum wollen Sie am Arbeitsplatz „emotional“ sein?
  • Glauben Sie, dass Emotionen am Arbeitsplatz Vorteile hat?
  • Bevorzugen Sie eine professionelle oder eine persönliche Beziehung zu Mitarbeiter*innen/ Praxisinhaber*innen?
  • Verfolgen Sie mit emotionaler Bindung ein Ziel? Glauben Sie, dass Mitarbeiter*innen, aufgrund von Emotionen, sich der Praxis eher zugehörig fühlen?
  • Sind Sie sich bewusst, dass Emotionen Bindungen und sogar Abhängigkeit erzeugen können?

Tipps

  • Legen Sie fest, ob die Basis Ihrer Praxis/Ihres Arbeitsplatzes, emotional oder professionell sein soll.
  • Definieren Sie das Wort „Arbeitsplatz“.
  • Behalten Sie emotionale Strukturen in Ihrer Praxis im Blick.
  • Machen Sie sich bewusst, dass, je persönlicher und emotionaler die Beziehung zu Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen werden, Sie Gefahr laufen, die Kontrolle zu verlieren.
  • Denken Sie daran: Emotionale Bindungen sind dynamische Konstrukte, die sich verändern, im negativen, wie im positiven Sinne.
  • Schauen Sie bei Neueinstellungen genau hin und fragen Sie gezielt nach, ob sich Bewerber*innen für „Bauch- oder Kopfmenschen“ halten.

Theorie vs. Praxis
Ich konnte viele Erfahrungen sammeln: von unverbindlichen, fruchtbaren, klar umrissenen und erfolgreichen Konstellationen im Team bis hin zu toxischen Beziehungen am Arbeitsplatz. In den 80ern sah der Arbeitsplatz ganz anders aus als heute. Empathie und Kommunikation sind heute häufig genutzte Worte, die den Wunsch vermitteln, gesehen und aufgefangen zu werden. Der Arbeitsplatz soll mehr sein. Deshalb sind Teammeetings und Praxisausflüge heute auch zu Marketinginstrumenten bei der Personalsuche geworden. Außerdem wird mit Strukturen geworben, die eine „Familie“ versprechen.

Fazit
Treffen Sie Entscheidungen, die aufzeigen, wie viel Emotionalität angemessen ist, um einen gesunden Umgang damit zu finden. Empathie ist wichtig, sollte aber nicht den Alltag dominieren. Es ist gesünder, Professionalität zu leben, weil der Umgang damit einfacher ist und die Parameter für alle gelten und verstanden werden können. Versuche, aus einem Team eine Familie zu machen, funktionieren nicht.

Zu guter Letzt
Das Umfeld in zahnärztlichen Praxen hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. Die Strukturen sind komplexer geworden und Führung wird oft nicht konsequent gelebt. Dadurch entsteht ein Raum, der mit unberechenbaren, dynamischen Komponenten gefüllt wird. Wenn Sie Emotionen zu viel Raum geben, werden Sie diese Konstrukte langfristig nur schwer oder gar nicht beherrschen können. Emotionen werden bewusst oder unbewusst auch als Druckmittel eingesetzt.

Sehen Sie Ihre Mitarbeiter*innen als das, was sie sind: Eine wichtige Mannschaft, in der jeder eine Position und Aufgaben innehat, die am Ende dafür sorgen, dass die Praxis wirtschaftlich gut da steht.