Suchen Sie noch, oder pflegen Sie schon?
Definition Personal
Als Personal werden Arbeitnehmer*innen bezeichnet, die von Arbeitgeber*innen beschäftigt und
für ihre Leistungen entlohnt werden. Es ist also ein Geben und Nehmen. Das Personal erbringt
Leistungen, für die es bezahlt wird.
Wofür brauche ich als Praxisinhaber*in Personal?
Damit eine Zahnarztpraxis als Unternehmen funktionieren kann, sind mehr Menschen nötig als nur
der/die Praxisinhaber*in. Für die Arbeit am Patienten wird in der Regel eine Assistenz benötigt,
also eine klassische ZFA. Für Verwaltungs- und Abrechnungsarbeiten wird ein/e spezialisierte/r
ZMV eingesetzt. Die Organisation kann ein/e PM übernehmen. Es geht also darum, ein komplexes
Konstrukt zu füllen.
Grundsätzliches
Ich beobachte den Stellenmarkt seit vielen Jahren und stoße immer wieder auf dieselben Praxen. Warum? Wenn eine Praxis über Jahre hinweg Personal sucht, dann finde ich das bemerkenswert und frage mich automatisch: „Was ist da los?“
Wenn Sie Mitarbeiter suchen, dann suchen Sie Menschen! In ihrer ganzen Individualität:
introvertiert oder extrovertiert, humorvoll oder ernst, konzentriert oder schnell abgelenkt, fleißig
oder weniger fleißig.
Sie müssen also ein breites Spektrum an Personen in ein System bringen, das funktionieren soll.
Was für alle hilfreich ist, ist ein Plan, ein Rahmen, damit jeder weiß, wo sein/ihr Platz ist. Eine klare
Verteilung von Aufgaben ist unbedingt nötig. Menschen können sich relativ einfach an einem roten
Faden orientieren. Kreativität sollte die Ausnahme bleiben.
Ein Zusammenschluss von Personen kann eine Gruppe, ein Team oder eine Community sein. Es
ist keine Familie!
Es ist von Vorteil, wenn sich Menschen am Arbeitsplatz gut verstehen, doch darauf haben Sie
keinen Einfluss. Sie können jedoch beobachten und einordnen.
Es treffen von Zeit zu Zeit Menschen aufeinander, die sich wirklich mögen, die auf „einer Welle
schwimmen“, die sich „gut riechen können“ und die „einen Zugang zueinander haben“. Das ist
wunderbar, birgt aber auch die Gefahr der Emotionalität. Das Thema Führung spielt hierbei eine
große Rolle und wird in einem weiteren Beitrag behandelt.
Quereinsteiger
Es ist herausfordernd, für berufsfremde Personen, angemessen auf Fragen von Patient*innen zu
antworten. Das erzeugt auf beiden Seiten ein ungutes Gefühl und ist außerdem keine gute
Werbung für Ihre Praxis. Ich lese immer wieder, dass Inserate auch Mitarbeiter*innen aus der
Hotellerie ansprechen. Auf den ersten Blick erscheint es logisch, wenn man vom
Dienstleistungsgedanken ausgeht. Aber bedenken Sie: Patient*innen rufen an, stehen am
Empfang oder schicken eine E-Mail und haben ganz konkrete Fragen, die von
Quereinsteiger*innen nicht zu beantworten sind. Was passiert dann? Es muss nachgefragt
werden! Ist das im laufenden Betrieb immer möglich? Nein! Das kann für alle Beteiligten sehr
anstrengend sein.
Die Installation eines Quereinsteigers kann dort funktionieren, wo kein Patientenkontakt
stattfindet. Dafür bieten sich administrative Tätigkeiten an; dazu zählen die Arbeitszeit- und
Urlaubsplanung, das QM, die Arbeit im Steri/Hygiene, das Verschicken und Einpflegen von
Röntgenbildern, Berichten, Briefen und Befunden.
Ein/e ZA/ZÄ sucht Personal:
Fragen:
Wenn Sie „Vollzeit/Teilzeit/geringfügig beschäftigt“ suchen, haben Sie dann drei
Stellenbeschreibungen in der Schublade?
Was machen Sie, wenn Sie eine Mitarbeiterin in Vollzeit benötigen, aber nur eine Teilzeitkraft
finden? Passen Sie dann das Stellenprofil an?
Ich spreche aus Erfahrung: Es ist frustrierend, wenn man sich als Teilzeitkraft in einer Vollzeit-Stelle wiederfindet und aufgrund fehlender Unterstützung nur noch mit den Armen rudert.
Wie gehe ich vor, wenn ich den Rahmen abgesteckt habe?
Erstellen Sie ein Inserat und formulieren Sie es anhand der Stellenbeschreibung. Inzwischen gibt
es sehr viele Plattformen, die sich anbieten. Nutzen Sie auch Ihre Homepage oder Ihren Social-Media-Kanal.
Vermeiden Sie Worte wie:
„Zahnfee“
„Sonnenschein“
„Perle“
„Prophylaxe-Fee“
„Zaubermaus“
„Zahnputz-Fee“
Wählen Sie stattdessen:
„Fachkraft“
„Fachkraft für Dentalhygiene“
„wichtige Schlüsselposition“
„Schnittstelle“
„Professionelles Teammitglied“
„Community“
Was meinen Sie, wenn Sie den zu besetzenden Arbeitsplatz als „attraktiv“ bezeichnen?
Seien Sie vorsichtig mit Worthülsen wie „Wertschätzung“, „Loyalität“ und „Ehrlichkeit“. Die Frage,
die sich daraus ergibt, ist: Sind das Wünsche oder wird das gelebt?
Sie suchen eine Person, die „konfliktfähig“ ist? Ich würde eine positivere Formulierung wählen.
Auf dieses Thema gehe ich unter dem Beitrag „Führung“ näher ein.
Wie komme ich in den Move?
Sie laden die infrage kommenden Bewerber*innen ein.
Dank Ihrer guten Vorarbeit (siehe oben) wissen die Bewerber*innen, was Sie erwarten.
Hinweis:
Wenn Sie sich für eine/n Bewerber*in entschieden haben, dann haben Sie eine einmalige
Gelegenheit: die Integration dieser Person in Ihre Praxis. Nutzen Sie diese Chance und stimmen
Sie das zukünftige Teammitglied auf Ihre Praxis ein. Leisten Sie eine gründliche Einarbeitung. Aus
Erfahrung kann ich sagen, dass ich selten die Einarbeitung und Erklärungen bekommen habe, die
ich gebraucht hätte (und die immer versprochen werden). Verweisen Sie neue Mitarbeiter*innen
nicht auf Checklisten, denn diese sind für eine Einarbeitung nicht geeignet. Zeigen und erklären
Sie die vorhandenen Strukturen und die zu erledigenden Aufgaben. Lassen Sie das neue
Teammitglied in den ersten drei Monaten nicht allein. Es ist sehr frustrierend, wenn ich auf eine
konkrete Frage nur die Antwort „Dafür gibt es eine Checkliste, schau da mal nach!“ bekomme.
Wie schaffe ich es, dass Mitarbeiter*innen bleiben wollen?
Fazit
Auch beim Thema Personal bzw. Personalsuche gilt: Eine gute Vorbereitung ist das A und O.
Wenn Sie nicht rechtzeitig Zeit investieren, laufen Sie den Ereignissen hinterher. Eine
Stellenbeschreibung wird vor der Personalsuche erstellt, nicht nach der Einstellung.
Leisten Sie eine gute Einarbeitung, damit sich der/die neue Mitarbeiter*in wohl und sicher fühlt.
Bereits vorhandene Mitarbeiter*innen haben eine Vorbildfunktion.
Denn: Das, was vorgelebt wird, findet Nachahmer*innen.
Denken Sie VOR, nicht NACH.
Denn:
Wer VORdenkt, ist im VORteil, weil er/sie VORbereitet ist.
Wer NACHdenkt ist im NACHteil, weil er/sie hinterherläuft.
Ein/e Mitarbeiter*in sucht einen neuen Wirkungskreis:
Wie gehe ich vor, wenn ich den Rahmen abgesteckt habe?
Sie können auf Inserate reagieren oder selbst eine Stellenanzeige aufgeben (diese Erfahrung
sollten Sie auf jeden Fall machen!).
Fragen Sie im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs nach der Stellenbeschreibung, denn nur so
können Sie einschätzen, ob die Stelle zu Ihnen passt.
Wie komme ich in den Move?
Sie nehmen Einladungen zu Gesprächen an und treffen Zahnärzt*innen und Mitarbeiter*innen.
Gegebenenfalls sprechen Sie auch mit Kolleg*innen. Eventuell vereinbaren Sie einen Termin für
eine Hospitation.
Was brauche ich, damit ich bleiben möchte?
Was genau macht für Sie einen Arbeitsplatz attraktiv?
Wie möchten Sie sich weiterentwickeln? Ist eine Weiterbildung oder Aufstiegsfortbildung in der
Praxis möglich?
Wie flexibel reagiert die Praxis auf Sonderwünsche? (Nicht vergessen: Flexibilität ist keine
Einbahnstraße.)
Fazit
Je konkreter Ihre Vorstellungen und Wünsche sind, desto größer ist die Chance, das zu
bekommen, was Sie wirklich möchten. Darum sollten Sie sich gut vorbereiten, wenn Sie zu einem
Vorstellungsgespräch gehen. Schauen Sie sich die Homepage der Praxis an und recherchieren
Sie gegebenenfalls auch auf Social Media. Stimmen Sie sich ein und zeigen Sie
Selbstbewusstsein. Im Idealfall entscheiden sich beide Seiten füreinander.
Tipp:
Überlegen Sie, was Sie möchten, und kommunizieren Sie es. Trauen Sie sich! Aber überspannen
Sie den Bogen nicht und bleiben Sie realistisch.