Komplexität braucht Werkzeuge
Definition
Organisation schafft Ordnung in Bezug auf Aufgaben, Verantwortung, Zuständigkeiten,
inklusive Verbindlichkeit und Befugnisse. Es geht um Aufbau und Ablauf.
Bei der Qualitätssicherung haben wir eine optimale Patientenversorgung, eine hohe
Patientenzufriedenheit, effiziente Abläufe und die rechtliche Absicherung im Fokus.
Warum/wofür
Vorteile
Nachteile
Zu viele und zu starre Konstrukte („Über-Organisation“) können dazu führen, dass Sie den
natürlichen Workflow „abwürgen“, d. h. Sie strangulieren sich selbst, wenn Sie alles
kontrollieren wollen.
Was verhindert Veränderung/Verbesserung?
Grundsätzliches
Am 01.01.2007 trat die QM-Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses in Kraft.
Seit Ende 2010 ist ein einrichtungsinternes QM-System Pflicht für jede Zahnarztpraxis.
Eine Zertifizierung ist nicht vorgeschrieben und somit freiwillig. Die Zahnärztekammern
wirkten unterstützend mit, um den Praxen die Umsetzung zu erleichtern.
Zahnärzte, die das QM erfolgreich eingeführt haben, betonen auf die Frage nach den
Effekten die erhöhte Motivation der Mitarbeitenden, die eigene erhöhte Zufriedenheit und
die allgemein effizienteren Abläufe.
Eine echte QM-Software kann viel Arbeitszeit sparen. In vielen Fällen wird jedoch nach
der Handbuch-Lösung gearbeitet.
Was anfangs für viel Verwirrung und Angst gesorgt hat, ist heute erwiesenermaßen eine
große Hilfe und Unterstützung in einem Alltag, der immer komplexer wird.
Ich möchte nicht mehr auf Checklisten verzichten, denn sie erleichtern jeden Arbeitstag
enorm. Der sehr komplexe Arbeitsalltag bietet leider viel Raum für Fehler, weil wichtige
Dinge schlichtweg „vergessen“ werden können. Und trotzdem gibt es sie noch: die
„Zuruf-Praxis“. Dabei werden Tätigkeiten durch Zuruf, im Vorbeigehen und aus allen
Richtungen delegiert. Haben Sie schon einmal versucht, drei Bälle gleichzeitig zu fangen?
In solchen Momenten ist die zentrale Frage: „Warum wird das Intranet nicht genutzt?“
Ein „alle sollen alles machen“ funktioniert, erfahrungsgemäß, nicht. Im Idealfall hat eine Person die Verantwortung über einen Handlungsstrang, das erleichtert die Verfolgung des Prozesses enorm. Wenn eine Aufgabe auf zwei oder mehr Personen übertragen wird, dann ist Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit wichtig, man ist voneinander abhängig.
Reflexion
Tipps
Theorie vs. Praxis
In vielen Praxen nehmen Mitarbeiter*innen und Praxisinhaber*innen viele Jahre lang
Probleme in Kauf, anstatt den Schritt zu wagen, der Erleichterung bringen könnte. Oft
werden Arbeitsabläufe und Kreisläufe nicht bis zum Ende gedacht, wodurch leicht der
Eindruck von Unverbindlichkeit entsteht. Dabei sind Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit
unbedingt nötig, wenn Sie in einer tragfähigen Struktur agieren möchten.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es manchmal gar nicht an Ideen und dem
Wunsch fehlt, etwas zum Guten zu wenden und Veränderung anzustoßen, sondern an der
Disziplin bei der Umsetzung – ein Problem auf allen Ebenen. Besonders schwierig ist es,
wenn es um die Überarbeitung und Verbesserung rigider, zementierter Konstrukte geht.
Fazit
Ein Arbeitstag ohne Rahmen, Leitplanken, Checklisten und Arbeitsbeschreibungen ist
kaum vorstellbar. Und doch gibt es nicht wenige Praxen, die dieses Sicherheitsnetz nicht
nutzen. Wenn ich Kolleg*innen, aber auch Praxisinhaber*innen frage, was sie stört, im
täglichen Ablauf, dann sind es die Störfeuer aus allen Richtungen und das damit
verbundene Stocken der Abläufe. Wenn Kreativität und Improvisation die Oberhand
gewinnen, dann haben sie nur eine fragile Struktur und darauf können sie nicht aufbauen.
Es fehlen dann, mindestens, die oben genannten Werkzeuge, die Störfeuer vermeiden
und einen guten Ablauf garantieren.
Wenn Sie die Struktur Ihrer Praxis von oben betrachten, sollten Sie ein Muster mit klaren
Grenzen erkennen.
Eine tragfähige Struktur verzeiht Pannen und kleine Fehler. Eine komplexe Struktur kann
vereinfacht werden.
Handlungsstränge und Kreisläufe, die überschaubar sind (und zu Ende gedacht!), bieten
Sicherheit und sind einfach zu bedienen.
Zu guter Letzt
Meine Erfahrung zeigt, dass viele Menschen Angst haben, vor allem vor dem Verlassen
der bekannten Komfortzone, wenn es um Veränderungen geht. Es fehlt oft die Lust und
Neugier, etwas Neues auszuprobieren und zu entdecken und die Motivation für
Bewegung und persönliche Selbstentwicklung.
Ein gut funktionierendes QM ist „lebendig“. Es wird ständig angepasst, da komplexe
Strukturen beweglich sind und sich somit verändern.
Man könnte statt von Qualitätsmanagement eher von „Praxisablauf-Management“ oder
„Organisationsmanagement“ sprechen, weil es eben darum geht: um Ordnung und
Ablauf.