Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.

(Charles Darwin)
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Führung

Definition
Der Kern des Wortes „Leadership“ ist „verantwortliches Leiten“. Das ist für mich die entscheidende Aussage, denn ich nehme Verantwortung an. Weiterhin kann man von der „Steuerung eines Teams oder einer Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hin“ sowie von Motivation und wachsender Effizienz sprechen. Unterm Strich geht es um Beeinflussung hin zu einem Punkt, der allen bekannt ist.

Effizienz vs. Effektivität
Ist die Grundlage der Tätigkeiten/Aufgaben in Ihrer Praxis von Effektivität oder Effizienz gekennzeichnet?
Effizienz bedeutet, die Dinge richtigzumachen, und zwar in angemessener Zeit (Ressourcen werden geschont).
Effektivität bedeutet hingegen, die richtigen Dinge zu tun, ohne auf die Zeit zu achten.

Leadership WOFÜR?
Mitarbeitende in einem Unternehmen brauchen Orientierung. In einem geordneten Umfeld zu arbeiten, gibt ihnen Sicherheit. Leitplanken und ein Rahmen sorgen für störungsfreies Arbeiten und Übersichtlichkeit. Davon profitieren Mitarbeiter*innen, Patient*innen, externe Dienstleister*innen sowie die Praxisführung gleichermaßen

Haben Sie Ansprüche?

  1. Wenn Sie heute auf Ihren Betrieb schauen, wie zufrieden sind Sie, auf einer Skala von 1 bis 10?
  2. Wäre es für Sie akzeptabel, wenn der Praxisbetrieb so weiterlaufen würde, bis Sie aufhören zu praktizieren?
  3. Kennen Sie Ihre „blinden Flecken“?

Wenn Sie Ihre Praxis mit 9 oder 10 bewerten, ist dieser Beitrag für Sie nicht relevant. Dann lautet die Antwort auf Frage 2 „Ja“ und Sie kennen Ihre blinden Flecken. Das bedeutet, dass Sie wahrscheinlich reflektiert und diszipliniert sind.
Wenn das nicht der Fall ist, haben Sie zwar ein Projekt, aber keinen Plan. Vielleicht finden Sie auch Ausreden, um die Ärmel nicht hochkrempeln zu müssen, oder Sie scheuen sich davor, Dinge beim Namen zu nennen.
Es gibt Menschen, denen fällt es leicht, die Rolle des Leaders anzunehmen und ihre natürliche Autorität ganz leichtfüßig einzusetzen. Das bewundere ich. Dabei spielen Selbstverständnis, Erfahrungen und Bewusstheit eine große Rolle.
Nicht jede Praxis muss eine 10 sein! Sie sollten allerdings eine Qualität im täglichen Miteinander anstreben, bei der Sie sagen können: „Ja, so kann es weitergehen!“ Dafür sollten Sie Umstände analysieren, die zu „Schwelbränden“ und Unzufriedenheit führen. Ein Schwelbrand entsteht, wenn echte Probleme nicht angegangen werden. Sie erzeugen im „Organismus Praxis” eine Störung, die immer vorhanden ist und auf alle Bereiche übergreift.

Grundsätzliches
Ich glaube, das Wort „Führung“ ist oft negativ besetzt. Aber was bedeutet es überhaupt? Es bedeutet keinesfalls, dass Sie permanent „mit der Faust auf den Tisch hauen“ müssen. Führung setzt immer auch ein wohlwollendes Betrachten des Gegenübers voraus.

Ihre Aufgabe ist es, voranzugehen, pragmatisch zu denken und zu handeln. Analysieren Sie nüchtern und stellen Sie Emotionen hintenan. Schaffen Sie „Leitplanken“. Bieten Sie Ihren Mitarbeiter*innen Orientierung. Das ist wichtiger, als Emotionen zu pflegen.

Als Praxisinhaber*in führen Sie nicht nur Ihr Personal, sondern auch die Patient*innen. Darüber sollten Sie einmal nachdenken. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass Zahnärzt*innen sehr gut in der Führung von Patient*innen, aber oft unsicher in der Führung von Personal sind. Warum das so ist, liegt auf der Hand. Im Studium wird Zahnmedizin gelehrt. Sie lernen, mit Patient*innen und deren Anliegen umzugehen. Haben Sie jedoch gelernt, pädagogische Instrumente zu nutzen und ein Unternehmen zu führen? Wahrscheinlich nicht.

Professionelle Distanz
Es wird sich bewähren, eine gesunde Distanz zu wahren. Das gilt im Umgang mit Patient*innen ebenso wie mit Mitarbeiter*innen. Ein professioneller Umgang ist auf lange Sicht gesünder als der Versuch, eine Beziehung aufzubauen. Beziehungen entstehen automatisch, dafür müssen Sie nichts tun, denn es ist ein ganz normaler Prozess, wenn man häufig zusammenkommt.
Im beruflichen Kontext sollte eine Beziehung allerdings keinen Distanzverlust bedeuten, denn das ist sehr kräftezehrend und praktisch nicht mehr umkehrbar. Überlegen Sie deshalb gut, ob Sie mit Mitarbeiter*in oder Patient*in XY eine Beziehung auf privater Ebene eingehen möchten, denn diese Prozesse sind dynamisch, kosten viel Zeit und führen auf emotionaler Ebene zu Missverständnissen.

„Konfliktfähig“
In Inseraten lese ich immer häufiger, dass Mitarbeiter*innen gesucht werden, die „konfliktfähig“ sind. Da frage ich mich sofort: „Warum?“
Personal braucht ein störungsfreies Umfeld, um in Ruhe arbeiten zu können. Hier ist gutes Leadership gefragt. Störfeuer müssen beseitigt werden. Wie so oft landen wir bei der Frage: „Wo ist die Ursache?“ „Konfliktfähig“ zu sein, bedeutet, mit Konflikten zu leben. Das kann doch nicht der Anspruch sein!

Ehrlichkeit - Die Dinge beim Namen nennen

  • Wer gestaltet, der agiert und hat das Ruder in der Hand.
  • Wer nur reagiert, läuft den Dingen hinterher.
  • Denken Sie VOR!
  • Haben Sie sich mit dem Thema Leadership ernsthaft auseinandergesetzt?
  • Nehmen Sie Konflikte im Team wahr?
  • Führen Sie, oder werden Sie geführt? Wer ist der Kapitän?
  • Wenn Sie nicht führen (wollen) WER soll es dann machen? Hat er/sie die nötige Qualifikation, das Wissen um das Thema und Erfahrung?
  • Was tun Sie, wenn Mitarbeiter*innen die Arbeit in bestimmten Bereichen verweigern?
  • Gibt es Klagen? Wer beklagt sich und warum?
  • Wie gehen Sie an Probleme heran? (Symptom- oder Ursachenorientiert?)

Die gesündesten Praxen zeichnen sich durch Kontinuität aus und haben eine natürliche autoritäre Basis.
Frage: Was sind echte Probleme? Antwort: Wenn ein Anliegen immer wieder auftritt, dann ist es „echt“ und sollte analysiert und behoben werden. Wer sich echter Probleme nicht annimmt, riskiert „Schwelbrände“, die immer vorhanden sind, auch wenn man sie nicht sieht. Das kann zu permanenter Unzufriedenheit in allen Bereichen führen.

(Offene Fragen sind als Anregung gedacht, um kognitive Bewegung zu provozieren. (Siehe oben)

Wann kann ich Führung abgeben und an wen?
Wenn der Betrieb zu groß und unübersichtlich geworden ist, muss die Komplexität anerkannt und entsprechend gehandelt werden. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass eine Größenordnung ab drei Zahnärzt*innen herausfordernd wird. Das Ziel ist dabei immer, Übersichtlichkeit herzustellen und/ oder zu erhalten. Eine Praxis besteht aus einer geringen Anzahl von Bereichen. Dazu gehören die Assistenz mit Hygiene, die Prophylaxe, die Verwaltung mit Organisation und die Abrechnung. Wenn Sie für die jeweiligen Bereiche Teamleiter benennen, steht das Konstrukt stabil auf mehreren Beinen. Die Ansprechpartner sind klar benannt und Profis in ihrem jeweiligen Bereich, was sehr hilfreich ist.

Schwieriger kann es werden, wenn Entscheidungen nicht klar umrissen sind, sondern implizit und schwammig kommuniziert werden. Beispielsweise, wenn Mitarbeiter*in XY sich um „alles“ kümmern soll. Das wird nicht funktionieren, weil es diese/n Mitarbeiter*in nicht gibt, die alles weiß und kluge, bereichsübergreifende Entscheidungen treffen kann.

Teambuilding
Ein Team entsteht im Alltag und am Arbeitsplatz, nicht auf einem Event. Und: Ein Team oder eine Community ist keine Familie. Vertrauen und das Agieren auf Augenhöhe spielen eine zentrale Rolle. Es spielt keine Rolle, wie alt die Mitarbeiter*innen sind oder wie lange sie schon in der Praxis tätig sind. In Gesprächen habe ich immer wieder erfahren, was Kolleg*innen wichtig ist. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle:

  • Wem kann ich mich anvertrauen?
  • Wer ist loyal?
  • Wer hilft mir und unterstützt mich?
  • Wer ist ansprechbar?
  • Werde ich ernst genommen?

Kolleg*innen merken schnell, wer es ehrlich mit ihnen meint und sie wirklich unterstützt. Verschwiegenheit ist dabei ein zentraler Punkt. Wenn mir eine Kolleg*in etwas anvertraut, dann behalte ich die Informationen für mich.

Wie kann Führung gelingen?
Erfolg in der Führungsetage geht mit ehrlichem Engagement einher. Dazu gehört natürlich auch die Lust, Dinge zu gestalten und voranzugehen. Man muss verstehen, dass man nicht allein ist „da oben“ und die Möglichkeit hat, mit Schwung gemeinsam etwas zu schaffen. Das setzt Kräfte frei. Denken Sie daran: Dynamische Kräfte sind stark und erzeugen eine Sogwirkung – allerdings in jede Richtung.
Laden Sie deshalb alle Mitarbeiter*innen ein, an Bord zu kommen. Werben Sie für Ihre Ideen und setzen Sie auf Gemeinsamkeit. Zielen Sie auf die Sinnhaftigkeit des großen Ganzen ab und loben Sie Prämien für herausragende Leistungen und Einsatz aus. Sprechen Sie ALLE an, denn Sie brauchen ALLE für ein gutes Gelingen.

TIPP:

  • Pflegen Sie, was gut funktioniert und werden Sie nicht müde, das immer wieder hervorzuheben.
  • Zeigen Sie Zufriedenheit.
  • Großzügigkeit ist ein attraktives Merkmal bei Arbeitgebern.
  • Beweisen Sie Mut, wenn Sie eine Fehlbesetzung vorgenommen haben. Wenn etwas nicht gut funktioniert, dann muss es korrigiert werden, auch dem Team zuliebe.
  • Bleiben Sie professionell und wahren Sie eine gesunde Distanz, zu Patient*innen und Personal, ganz einfach, weil es gut zu handhaben ist.
  • Formulieren Sie explizit und fragen Sie nach, ob es Verständnisprobleme gibt. Wählen Sie konkrete Formulierungen und lassen Sie keinen Spielraum für Interpretationen.
  • Vorwürfe sind out. Stellen Sie Ihren Mitarbeiter*innen Fragen, dann sind Sie auf beiden Seiten in einem aktiven Prozess der Bewegung.
  • Lösen Sie Konflikte, damit Sie nicht, über Jahre hinweg, damit leben müssen und kultivieren Sie eine gute Wertestruktur.
  • Springen Sie nicht auf emotionale Züge auf, das schafft noch mehr Raum für Emotionen. Bleiben Sie sachlich.

Fazit
Führung ist ein aktiver Prozess, der niemals endet. Bei konsequenter und transparenter Herangehensweise wird er einfacher und kostet weniger Zeit, weil die Grundlagen festgelegt wurden. Wenn Sie Führung ernst nehmen, kann sie auch für Sie als Zahnärzt*in eine Sogwirkung entfalten und Ihnen automatisch Schwung verleihen.
Als Freiberufler*in haben Sie so viele tolle Möglichkeiten, zu agieren und Mitarbeiter*innen zu begeistern. Nutzen Sie diese Chancen! Das größte Kapital ist Personal, das im Organismus Praxis gut zusammenarbeitet – im Idealfall störungsfrei.