Definition
Wie wollen wir mit Fehlern und Beschwerden umgehen? Die Kultur beschreibt die Art und Weise,
wie ein Unternehmen/eine Organisation damit verfährt, sodass eine Optimierung und
Verbesserung die Folge ist. Wir erkennen somit, dass sich negative Erlebnisse ins Positive
wenden können.
Warum/Wofür
Wenn wir uns eine Fehlerkultur erarbeiten, haben wir ein zusätzliches Werkzeug, um uns
weiterzuentwickeln, Chancen zu erkennen und positiv zu betrachten. Wir wollen keine Angst
schüren oder mit Schuldzuweisungen arbeiten, um Menschen kleinzuhalten. Wir nutzen die
Möglichkeiten für Veränderung und Verbesserung, damit sich alle in einem optimierten Rahmen
wohlfühlen und ihre Ressourcen nutzen können.
Grundsätzliches
Es kann nicht immer alles „glattlaufen“. Fehler passieren, Sie sollten jedoch die Häufung
betrachten, um zu erkennen, wann Interventionen erforderlich sind.
Fakt ist: Je größer die Praxis und die Anzahl der Mitarbeitenden, desto mehr Fehler können
passieren. Wir vergleichen diesen Umstand mit einer Rechenaufgabe mit mehreren/vielen
Unbekannten.
In kleinen Praxen ergeben sich der Vorteil direkter Kommunikationswege und eine bessere
Übersichtlichkeit.
Wir betrachten Fehler nicht negativ, denn wenn wir sie erkennen, bieten sie eine großartige
Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln. Dabei unterscheiden wir zwischen negativer und positiver
Fehlerkultur. Wir bestrafen nicht, da dies Angst schaffen und Innovationen verhindern würde. Wir
weisen auch keine Schuld zu, sondern erkennen Möglichkeiten, die uns weiterbringen und für
Entwicklung sorgen. Wir analysieren und erforschen die Ursachen, damit die Lösungen
nachhaltig sind.
Am Anfang steht die Zuordnung: Handelt es sich um einen Fehler bzw. eine Beschwerde, die einer
Analyse bedarf und einer anschließenden Korrektur, oder ist etwas „schiefgegangen“, was einer
Ausnahme gleichkommt?
Reflexion
Tipps
Theorie vs. Praxis
Man ist schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand. Auch Reaktionen wie „Das war ich nicht“
höre ich immer wieder. Dabei bietet jeder Fehler und jede Beschwerde eine großartige
Möglichkeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Als Team, als Gemeinschaft, als Community.
Ich habe immer wieder erlebt, dass eine Atmosphäre der Angst entsteht, wenn Fehler gemacht
werden. Auch dass Fehler „unter den Teppich gekehrt“ werden, kommt vor. Das sind letztendlich
„verpasste Chancen“. Sie bringen sich in diesem Fall um die Möglichkeit, eine Kultur der
Verbesserung zu leben.
Fazit
Menschen machen Fehler, und vielleicht beschwert sich auch einmal ein Patient oder eine
Patientin über Sie. Gehen Sie professionell damit um! Schauen Sie neugierig auf die Situation und
ermitteln Sie, was Sie Gutes daraus machen können.
Fehler und Beschwerden sind zwar nicht erstrebenswert, aber sie zu erkennen und zu benennen
ist wichtig, denn so wird der Boden für die Weiterentwicklung aller bereitet.
Bei echten Pannen muss nachgebessert werden. Damit die Lösung nachhaltig sein kann, stellen
wir erst im zweiten Schritt die Frage: „Was tun wir?” Der erste Schritt muss das Auffinden der
Ursache sein. Die erste Frage muss also lauten: „Warum ist es passiert?“
Es geht nicht um einzelne Personen, sondern um das große Ganze, damit alle von möglichen
Korrekturen profitieren können.
Für eine gute Übersichtlichkeit ist eine Checkliste hilfreich, auch um Entscheidungen später
nachvollziehen zu können.
Zu guter Letzt
Wenn wir rational veranlagte und pragmatisch denkende Menschen wären, würde die Wortwahl
wohl keine Rolle spielen. Aber so sind wir nicht.
Die Worte „Fehler- und Beschwerdemanagement“ können unangenehme Gedanken, kognitive
Blockaden und negative Gefühle auslösen. Sie können dazu führen, dass wir Schuld empfinden
und/oder in eine Verteidigungshaltung geraten. Ich schlage vor, wir sprechen stattdessen von
; „Optimierungskultur“ oder „Verbesserungskultur“. Legen Sie in Ihrer Praxis fest, wie Sie mit
dem Thema umgehen und es benennen möchten. Sprechen Sie darüber, ganz offen, im Team.
Daraus ergibt sich die Frage: Wie wollen wir negativ belegten Worten begegnen?
Wir haben 2 Möglichkeiten:
Zu 1: Das Ziel wäre, dass die Person lernt, sich auf die sachliche Ebene der Botschaft zu fokussieren, damit keine negativen Gefühle wie Schuld oder Angst entstehen. Kognitive Umstrukturierung kostet viel Zeit und ich bin der Meinung, dass dies in der Praxis, während der Arbeitszeit nicht zu leisten ist.
Zu 2: Hier kann, mit geringem Zeitaufwand ein Instrument erschaffen werden, dass nachhaltig wirkt und allen guttut. Vorschläge aus dem Team und eine anschließende Abstimmung fördern zudem das Gefühl mitzugestalten und gehört und gesehen zu werden.